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Memento mori

Wohin mit den Gebeinen, wenn der Friedhof voll ist? Was wie der Auftakt zu einem makabren Scherz klingt, war in früheren Zeiten ein ernsthaftes Problem, das eine pragmatische Lösung erforderte. Aufgrund des Bevölkerungswachstums mangelte es nämlich an Grabplätzen auf den Friedhöfen, die bis ins 18. Jahrhundert strikt innerhalb der mehr oder weniger eng gefassten Kirchenumfriedung angelegt waren. Um Platz zu schaffen, ging man deshalb in einigen, v.a. katholischen, Kirchengemeiden dazu über, die unverwesten Gebeine vom Friedhof in sogenannte Beinhäuser umzubetten.

So auch in der schönen Stadt Oppenheim am Rhein, wo unter der Friedhofskapelle der Katharinenkirche ein solches Beinhaus zu finden ist, das beeindruckenderweise bis unter die Gewölbedecke mit Schädeln und Knochen vollgestapelt ist. Hier ruhen die Gebeine von 20.000 Oppenheimer Bürgern aus der Zeit zwischen 1400 und 1750 - es ist damit das größte Beinhaus in Deutschland. Ich habe mich fast zwei Stunden dort aufhalten können (Dank an den Küster der Katharinenkirche!), um eine Fotoserie der etwas anderen Art aufnehmen zu können. Beschäftigt mit einer Serie von Belichtungsreihen war nicht viel Zeit, sich lange über die unheimliche Ausstrahlung dieses Ortes und den leicht morbiden Duft in dem kühlen Gewölbe Gedanken zu machen. Das einzig nervende war lediglich der Umstand, dass das per Zeitschaltuhr regulierte Deckenlicht alle paar Minuten ausging und jedes Mal mit dem Schalter neben dem Eingangstor wieder angeknipst werden musste - Pech, wenn dies gerade während einer Langzeitbelichtung passiert...
Beinhaus 1
Beinhaus 2
Beinhaus 3
Beinhaus 4