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Lost Places 7: Morbides sozialistisches Arkadien

FDJ-Jugendhochschule „Wilhelm Pieck”

Ein Fotoausflug mit dem Veranstalter go2know in Sachen „Lost Places” führte im Mai an den Bogensee. Hier, irgendwo im nirgendwo, 15 Kilometer nördlich der Berliner Stadtgrenze, liegt auf einem gigantischen Areal die ehemalige FDJ-Jugendhochschule „Wilhelm Pieck”. In der einstigen Kaderschmiede wurden ab den 1950er Jahren jährlich rund 500 junge Frauen und Männer aus der DDR und sozialistischen „Bruderstaaten” in politischen Fächern wie „Wissenschaftlicher Kommunismus” oder „Dialektischer Materialismus” unterrichtet.
FDJ-Hochschule Bogensee<br>
<i>(c) Google</i>
Das Gelände - 1936 wurde hier ein idyllisch gelegener Landsitz für NS-Propagandaminister Joseph Goebbels errichtet wurde (vor allem als „Liebesnest” für den Empfang attraktiver Schauspielerinnen genutzt) - wurde 1946 von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) an die Freie Deutsche Jugend (FDJ) übergeben. Die unterhielt dort, anfangs noch in bescheidenen Verhältnissen, ihre Zentralschule. 1951 wurde der Grundstein für die heutige Anlage gelegt: Im Stil des „Sozialistischen Klassizismus” errichtete man unter der Ägide des Berliner Stalinallee-Architekten Hermann Henselmann ein protziges, prunkvolles Gebäudeensemble. Staatschef Walter Ulbricht verlangte explizit ein „Denkmal des Sozialismus”, gleichsam ein sozialistisches Arkadien.

Die Anlage besteht aus vier Bettenhäusern an den Längsseiten, in Nord-Süd-Richtung stehen sich, durch eine Parkanlage getrennt, zwei Monumentalgebäude gegenüber: Im Süden steht das wie ein klassizistischer Tempel anmutende Kulturhaus mit säulengefasstem Mehrzwecksaal sowie mehreren Club- und Speiseräumen, im Norden liegt auf einem Hügel das barockschlossartige Lektionsgebäude mit Seminar- und Verwaltungsräumen. Im Tagungssaal des Lektionsgebäudes (560 Sitzplätze) war die zweitgrößte Simultananlage der DDR mit 18 Fremdsprachenkabinen untergebracht. (In Goebbels’ Landhaus - einmal mehr eine absurde Ironie deutscher Geschichte - wurde übrigens ein Kindergarten, eine „Konsum”-Filiale sowie ein Friseur untergebracht.)

Nach dem Fall der Mauer ging das Gelände an die Stadt Berlin, die es durch seinen Liegenschaftsfonds verwaltet. Ab 1991 wurde das Areal vom gemeinnützigen „Internationalen Bund für Sozialarbeit” genutzt, der dort eine unpolitische Aus- und Weiterbildungsstätte für sozial benachteiligte Jugendliche betrieb. Als das Unterfangen v.a. wegen hoher Energiekosten nicht mehr tragbar war, verließ die Organisation 1999 die Gebäude, die seither leer und unter Denkmalschutz stehen. Seitdem versucht der Liegenschaftsfonds vergeblich, für die Immobilien einen Käufer mit einem tragfähigen Nutzungskonzept zu finden. An Ideen dafür mangelt es nicht: Über ein Wellnesshotel, eine Rehaklinik oder Jugendhilfe-Einrichtung bis zur Unternehmensrepräsentanz wurde schon sinniert, doch insbesondere durch die abseitige Lage mit kaum vorhandener Infrastruktur hat sich bis dato alles zerschlagen.

So erobert sich einstweilen die Natur das Gelände zurück. Die Gebäude sind dem langsamen Verfall preisgegeben, es schimmelt und rostet vor sich hin, verstaubt und verblasst. Der „Charme des Morbiden” hat sich auch über diesen Ort gelegt, und wie für die meisten „Lost Places”, gilt auch hier: So tragisch der Verfall der Bausubstanz anmutet, so entsteht doch auch ein Eldorado für Fotografen und Filmschaffende. Die Geschichtsträchtigkeit des Areals sorgt dabei für einen zusätzlichen Reiz - oder wie in einem Bildband über Bogensee zu lesen ist: „Über dem schweigenden Ort liegt eine morbide Faszination, die Spannung der Ideologien zweier Diktaturen ist heute fast noch zu spüren.”
  • FDJ-Hochschule Bogensee
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