2016

2015

2014

2013

2012

Postprocess, Folge 3

Und wieder eine neue Folge mit Beispielen für Bildbearbeitung aus meinem Fotofundus. (hier Folgen 1 und 2) Theoretische Betrachtungen zur Authentizität und Manipulation von Bildern, wie sie unter anderem an dieser Stelle angestellt werden, halte ich durchaus für wichtig und gewinnbringend (im Sinne einer Erkenntniserweiterung über die Grundlagen und Bedingungen des eigenen künstlerischen Tuns). Einen Disput über dieses Thema hat es ja zu jeder Zeit gegeben: Malerei versus Kupferstich, Lithografie versus Fotografie, Analogfotografie versus Digitalfotografie, Digitalfotografie „out of camera” versus digitale Bildbearbeitung… Und man kann, der technischen Entwicklung sei Dank, davon ausgehen, dass es weitergehen wird. Auch als Laie, als Dilettant (im positiven Sinne) sollte man sich an solchen Diskussionen beteiligen und nicht bloß den Experten (Berufsfotografen, Kunstkritikern, Hochschullehrern u.a.) das Feld überlassen, zumal gerade die Fotografie von Anfang an das Tummelfeld begabter und ambitionierter Laien - jenseits von offiziöser Kunstausbildung, Kontrolle durch die etablierten Kunstakademien sowie (politisch motiviertem) Mäzenatentum - gewesen ist.

Ein Blick in die Historie zeigt auch, dass es zu allen Zeiten Fotografen gab, die das technisch Machbare bis an dessen Grenzen ausreizten. Auf der einen Seite haben wir Vertreter wie Moholy-Nagy oder Man Ray, die mit allen erdenklichen Formen der Retusche, Montage, des Composings, von Solarisationseffekten usw. experimentiert haben. Für die andere Seite mag pars pro toto ein Vertreter wie Cartier-Bresson stehen, dem sogar die Verwendung von Stativ und Blitz als „bildmanipulierende Eingriffe” verpönt waren. (Cartier-Bresson hat übrigens seine Fotos, anders als viele seiner Kollegen, überwiegend nicht in der eigenen Dunkelkammer selbst entwickelt, sondern entwickeln lassen - ein Extrembeispiel also für das Verlangen nach nur minimalsten Eingriffen seitens des Fotografen, der mit dem Druck auf den Auslöser sein Werk getan haben sollte.) Führen diese Beispiele herausragender Klassiker der Fotografiegeschichte nicht deutlich vor Augen, dass deren kunsthistorische Größe nicht von einer vermeintlichen Authentizität der Fotografien, sondern der Authentizität der Fotografen bestimmt wird?
postprocess 5a
postprocess 5b
postprocess 6a
postprocess 6b