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A White Cube for Books

Die neue Stuttgarter Stadtbibliothek

Die im Oktober 2011 eröffnete neue Stuttgarter Stadtbibliothek des koreanischen Architekten Eun Young Yi ist das erste fertige Bauwerk des heftig umstrittenen Großprojekts „Stuttgart 21“. Die Bibliothek mit ihrer halben Million Medien auf 18600 Quadratmetern, verteilt auf neun Ebenen, wird einst das geistige Zentrum des neuen Stadtteils sein. Aktuell steht der Bau noch wie ein monolithischer Würfel – gleichsam ein „Würfel des Wissens“ – von Brachflächen umgeben frei in der Stadtlandschaft.

Von außen wirkt das Gebäude mit seiner homogen-schmucklosen, streng in Quadrate gegliederten Fassade extrem minimalistisch; geradezu abweisend-künstlich, selbstbezogen, abgehoben. „Bücherknast“ und „Stammheim II“ wurde der Bau dementsprechend anfänglich von den Stuttgartern tituliert. Das hat sich mittlerweile gegeben. Die von Architekturkritikern hervorgehobene Qualität des Bauwerks wird inzwischen, nach der Phase der Eingewöhnung und des Kennenlernens, allgemein anerkannt: Die äußere Strenge geht einher mit einer nach-innen-Gewandtheit der Räume, die sich strahlend weiß in lichter Weite präsentieren, unmittelbar und sinnlich erfahrbar. Die introvertierte Abschottung ist quasi die Voraussetzung, damit sich die Imagination frei von allen störenden Einflüssen der Außenwelt entfalten kann.

Den Kern des Gebäudes bilden zwei übereinander gestapelte riesige Räume auf quadratischem Grundriss: Ein kubischer Raum (das sogenannte „Herz“ der Bibliothek) und der trichterförmig sich nach oben weitende „Galeriesaal“. Diesen Raumkern umgeben, wie die Schichten einer Zwiebel, nach außen hin die eigentlichen, auf mehrere Stockwerke verteilten diversen Bibliotheksräume mit Büchern und Medien aller Art.

Das sich fast verschwenderisch über vier Stockwerke erstreckende „Herz“ ist eine leere Halle, umgeben von kahlen, durch kleine Fenster perforierte weiß verputzte Wände. Diese Halle hat keine bibliothekstypische Funktion; sie dient keinem anderen Zweck, als den Besucher zu entschleunigen, ihm einen Ort der Ruhe und des Innehaltens zu bieten.

Der fünfgeschossige „Galeriesaal“ ist der Lesebereich der Bibliothek. Er besteht aus vier umlaufenden, kontinuierlich sich nach oben verjüngenden, durch freistehende Treppen verbundene Emporen. Das lichte Grau der einheitlich gefärbten Wände, Böden und Treppen ermöglicht ein einzigartiges Raumerlebnis von fast spiritueller Leichtigkeit. In auffallendem Kontrast – farbig und „fleischlich“ – hierzu stehen die in den Regalen aufgereihten Rücken der Bücher... Und natürlich die Menschen, von denen nicht wenige der Bibliothek einzig zur Besichtigung dieser außergewöhnlichen Architektur einen Besuch abstatten – ob durch die eigenen Augen oder durch das Objektiv einer Kamera schauend.
Stuttgarter Stadtbibliothek
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