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Lost Places 11: Der Atombunker in Ilbenstadt

Ein Denkmal der Angst

Am Ortsrand von Ilbenstadt in der Wetterau, 20 Kilometer von Frankfurt am Main entfernt, liegt unscheinbar am Straßenrand ein Relikt aus den Zeiten des Kalten Kriegs: Nur das kleine Eingangshäuschen und der 25 Meter hohe Funkturm sind oberirdisch sichtbar von Hessens einst sicherstem Atombunker, im offiziellen Jargon: „Zivilschutz-Abschnittsführungsstelle Ilbenstadt“.

Der 1966 bis 1970 errichtete Untertagebunker sollte im Fall eines atomaren Angriffs auf die Rhein-Main-Region dem Frankfurter Oberbürgermeister mitsamt seinem Stab (Vertreter von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Katastrophenschutz) Unterschlupf gewähren. Von dieser Kommandozentrale aus hätte der Führungsstab auf Grundlage der Notstandsgesetze die Regierungsgewalt für die Region übernehmen sollen, vor allem die Koordination des Zivilschutzes für den Großraum Frankfurt. Der Bunker war ausgelegt für rund 90 Personen, die etwa einen Monat völlig autark unter Tage hätten überleben können.

Die Anlage beinhaltet u.a. Arbeits-, Schlaf- und Wirtschaftsräume, getrennte Bäder für Männer und Frauen, Dekontaminierungsduschen, eine Sanitätsstation, einen Lage- und Führungsraum, die Telefonzentrale und ein eigenes Privatgemach für den Frankfurter Oberbürgermeister. Das alles ist in zwölf Metern Tiefe auf drei Stockwerke verteilt; die Außenwand ist 90 Zentimeter dick, die obere Decke besteht aus drei Meter dickem Stahlbeton.

Mit dem Ende des Kalten Kriegs war der Bunker funktionslos geworden. 2001 hat die Kommune Niddatal das Gelände samt Bunker für 10.000 Euro vom Bundesvermögensamt gekauft. Der Verein „Bunker Team Ilbenstadt“ kümmert sich seitdem ehrenamtlich um die Erhaltung des Bunkers und bietet Führungen an. Nachdem sich immer wieder Eindringlinge gewaltsam Zutritt verschafft haben und Teile der Einrichtung verwüsteten und demolierten, hat der Verein den Bunker wieder weitgehend funktionstüchtig gemacht. Er stellt nun ein Zeitzeugnis, ein gleichermaßen beeindruckendes und beklemmendes Überbleibsel des Kalten Kriegs dar, und gewährt einen Eindruck dessen, was uns während der Ost-West-Konfontation glücklicherweise erspart geblieben ist. Dass eine unter tödlichen atomaren Beschuss genommene Region von einem unterirdischen Bunker aus „regiert“ werden sollte mutet heutzutage in der Tat wie eine vollkommen absurde Vorstellung an...
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