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Lost Places 13: Das Conti-Gelände in Hannover-Limmer

Industrieromantik aus Backstein

Das Zweigwerk der Continental AG im Hannoveraner Stadtteil Limmer ist seit 1999 geschlossen. Seitdem ist es ein beliebtes Eldorado für Fotografen und Graffiti-Aktivisten, auch Musikvideos wurden dort schon gedreht. Seit September 2013 wird das Gelände auf Geheiß der Stadt rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst überwacht, weil der Aufenthalt in den Gebäuden aufgrund der teilweise maroden Struktur als lebensgefährlich eingeschätzt wird. Trotzdem tummeln sich an manchen Tagen dutzende von Fotografen, Schaulustigen, Abenteurern und Graffiti-Sprayern auf dem Gelände. Der aus roten Ziegeln errichtete Gebäudekomplex mit seinem maroden Charme übt eben einen eigentümlichen, unwiderstehlichen Reiz aus…

Am Standort in Limmer wurde die Produktion 1899 von der bereits 1862 an anderer Stelle als „Hannoversche Gummi-Kamm-Comp.“ (später „Hannoversche Gummiwerke Excelsior“) gegründeten Gummiwarenfabrik aufgenommen. Gefertigt wurden diverser Hartgummiprodukte wie Modeschmuck und medizinische Artikel, später vor allem Isolationsbauteile für die boomende Telegrafie- und Telefonindustrie. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Produktion auf kriegswichtige Güter, neben medizinischen Artikeln vor allem Reifen, ausgerichtet. Nach Kriegsende gab es eine große Nachfrage an Konsumgütern aus Gummiprodukten sowie Reifen, da deren Produktion zuvor kriegsbedingt eingeschränkt war. Das Werk expandierte und errichtete neue Verwaltungs- und Fertigungsgebäude; so auch zwischen 1920 und 1922 die heute noch stehenden neugotisch anmutenden Backsteinbauten am Lindener Kanal. Die Beschäftigtenzahl stieg in jener Zeit auf 6.000 Angestellte.

1928 übernahm das Konkurrenzunternehmen Continental AG die Excelsior-Werke. Das Fertigungsprogramm blieb im Wesentlichen gleich. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion abermals auf kriegswichtige Güter umgestellt, ab 1944 beschäftigte man Zwangsarbeiter aus einem unmittelbar an das Werksgelände angesiedelten Außenlager des KZ Neuengamme.

Da das Werk weitgehend von Bombenangriffen verschont blieb, konnte die Produktion schon kurz nach Kriegsende wieder aufgenommen werden. In der Folgezeit wurde es ausgeweitet und modernisiert, aber aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten (billigere Produktionsbedingungen in Osteuropa) schließlich 1999 geschlossen. Bis 2009 wurden fast alle Gebäude auf dem Gelände abgerissen, bis auf einen denkmalgeschützten Trakt sowie den ebenfalls denkmalgeschützten Schornstein. Das durch die Gummiproduktion kontaminierte Erdreich ist weitläufig abgetragen worden.

Auf dem freigeräumten Gelände – aktuell (Stand Winter 2015) eine riesige Brachfläche – soll nach Plänen der Stadtverwaltung ein neues, modernes Wohnviertel entstehen, die „Wasserstadt Limmer“ mit bis zu 600 Wohneinheiten.
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