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Postprocess, Folge 6

Es ist unstrittig, dass das dokumentarische Bild möglichst unverfälscht sein soll; ein Bild, das im Prinzip dem Betrachter die selben visuellen Informationen liefert, als wäre er selbst vor Ort gewesen. Hingegen bei der künstlerischen Fotografie (im weitesten Sinne des Wortes) erwarten die Betrachter geradezu eine subjektive Sichtweise, eine Handschrift des Autors. Beide Spielarten der Fotografie unterliegen somit unterschiedlichen Rezeptionsvoraussetzungen.

Aber ganz so einfach ist das nicht: Jeder einigermaßen professionelle Fotograf weiß, dass es individuelle Faktoren (Perspektive, Ausschnitt, Standortwahl ...) sowie technische Faktoren (Brennweite, Verschlusszeit, Schärfe ...) gibt, die das Ergebnis beeinflussen. Dies gilt auch für die dokumentarische Fotografie. Der große Unterschied zur künstlerischen Fotografie aber besteht darin: Bei der künstlerischen Fotografie ist es auch legitim, wenn der Fotograf nachträglich diese Verfremdung steigert, um seine Aussage zu verstärken. Ein Fotograf mit einer solchen Herangehensweise kann versuchen, andere dazu zu bringen, die Realität mit seinen Augen zu sehen. Er sagt: „Ich zeige euch die Dinge, wie ich sie sehe.“
postprocess 1a a
postprocess 1b a
postprocess 2a a
postprocess 2b a
(Siehe auch die Folgen 123, 4 und 5)