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Postprocess, Folge 7

Das Wesen der digitalen Fotografie besteht in der Codierung des Bildes in ein Raster aus Bildpunkten (Pixel), in dem jeder dieser Punkte durch einen Zahlenwert bestimmt wird. Ein solches Pixel kann beliebig verändert werden, indem ihm ein anderer Zahlenwert zugewiesen wird. Warum sollte sich jemand, der mit seiner Fotografie keinen dokumentarischen, sondern einen künstlerischen Anspruch verfolgt, hier in all den wundervollen Möglichkeiten beschränken? Man Ray zum Beispiel, einer der kreativsten Fotografen des „Analogzeitalters“, hat alle technischen Möglichkeiten ausgereizt, die es zu seiner Zeit auszureizen gab. Ist es abwegig, sich vorzustellen, wie er vorm Computerbildschirm sitzt, würde er heute leben? Wie er virtuos Lightroom und Photoshop bedient, um phantastische, surreale Bildwelten zu erschaffen?

Die Kunstfotografie nämlich war immer schon erpicht auf die Möglichkeiten der Manipulation sowohl des Prozesses wie auch des Ergebnisses. Besonders um die Wende zum 20. Jahrhundert sprengte der Erfindungsreichtum dahingehend alle Grenzen. Diese Zeitgenossen erstrebten, die Fotografie mit allen technischen (d.h. damals physikalischen und chemischen) Mitteln von der reinen Wirklichkeits-Abbildung zu lösen.

Warum sollten wir heutzutage wieder hinter diesen Anspruch zurücktreten, und nicht auch alle Mittel in kreativer Weise einsetzen, die uns zur Verfügung stehen?
postprocess 4a
postprocess 4b 2
postprocess 5a 1
postprocess 5b 1
(Siehe auch die Folgen 12345 und 6)