Anleitung für die Herstellung von Solargrafien

Solargrafie-Kameras sind im Prinzip normale Lochkameras. Eine Lochkamera besteht aus einem lichtdichten Gehäuse, einem winzigen Loch als Objektiv und lichtempfindlichem Fotopapier. Sie lässt sich mit recht geringem Aufwand, handelsüblichen Materialien und ein wenig Geschick selbst herstellen.
Utensilien für die Herstellung von Solargrafien
Utensilien für die Herstellung von Solargrafien

1. Vorbereiten des Gehäuses

Meine Kameras sind aus leeren 35mm-Filmdosen gebaut. Die Abbildungsqualität ist naturgemäß nicht so gut wie bei größeren Gehäusen (z.B. Getränkedosen), dafür sind sie klein und unauffällig, und lassen sich leicht draußen installieren. Diese Filmdosen (sie werden vor allem gerne von Geocachern verwendet) kann man auch in größeren Mengen kaufen, z.B. bei eBay.

Mit einem scharfen, spitzen Messer wird ein kleines quadratisches Fenster von 8 x 8 mm in die Mitte der Filmdose geschnitten.

2. Herstellen der Lochplatte

Aus einer Alu-Getränkedose wird mit einer Bastelschere eine quadratische Platte von 18 x 18 mm Größe herausgeschnitten.

Bevor das Loch in die Platte gebohrt wird, sollte das Blech an der dafür vorgesehenen Stelle mit Schmirgelpapier etwas ausgedünnt werden. Das Loch ist dann einfacher und präziser in das Blech zu treiben.

Nun wird das Loch gebohrt. Ich benutze hierfür Akupunkturnadeln, da sie sehr spitz, dünn und qualitativ hochwertig sind. Um den Nadeln Stabilität zu geben und um sie besser greifen zu können, schneide ich die Nadelspitze ab und setze sie in den Schaft eines Bastelmessers mit wechselbaren Klingen, aus dem die Klinge entfernt wurde.
Lochplatte und Nadel
Damit das Loch perfekt rund wird, sollte mit der Nadel weniger durch das Blech gestochen, als vielmehr mit sanften Drehbewegungen gebohrt werden. Um das Loch zu entgraten und seine Ränder zu glätten, wird es mit sehr feinem Schmirgelpapier bearbeitet.

Wie bei jeder Kamera ist die Qualität des Objektivs entscheidend für die Qualität der Abbildung. Deshalb ist für diesen Arbeitsschritt viel Sorgfalt notwendig. Es muss abwechselnd so lange geschmirgelt und erneut durchgestochen werden, bis das Ergebnis perfekt ist. Ich prüfe stets die Qualität des Lochs mit einem kleinen Mikroskop (Vergrößerung 75x).

Der optimale Durchmesser des Lochs wird definiert durch die Fokallänge der Lochkamera (im Falle eines Zylinders wie der Filmdose entspricht die Fokallänge dem Durchmesser der Dose). Ein optimaler Durchmesser sorgt für eine maximale Schärfe der Abbildung. Hier eine Webseite für die Berechnung. Ich benutze i.d.R. Akupunkturnadeln mit einem Durchmesser von 0,25 mm.

Die Lochplatte wird dann mit einem schwarzen, wasserfesten Stift von beiden Seiten geschwärzt, um störende Reflexionen zu vermeiden. (Darauf achten, dass beim Malen etwas Abstand zum Loch eingehalten wird, damit es nicht verunreinigt wird.)

Anschließend wird die Lochplatte mit schwarzem Isolierband über das quadratische, in Schritt 1 herausgetrennte Fenster in der Filmdose geklebt.

3. Befüllen mit Fotopapier

Unter einer Dunkelkammerleuchte (oder notfalls bei gedimmtem Licht) wird ein zuvor in die passende Größe zurecht geschnittenes Blatt Fotopapier so in die Filmdose gelegt, dass es sich an die Dosenwand anschmiegt. Die für die Filmdosen geeignete Größe des Papiers beträgt ca. 77 x 43 mm. Es ist darauf zu achten, dass das Loch vom Papier nicht zugedeckt wird. Mit einem kleinen (!) Stück Tesafilm wird das Fotopapier am oberen Rand der Dose fixiert.
Ilford Multigrade RC IV
Ich verwende das Schwarzweißpapier "Ilford Multigrade IV RC de Luxe (Satin)", das leicht im (Online-)Handel zu beziehen ist. Hier kann jeder selbst entscheiden, auf welchen Hersteller und welche Sorte die Wahl fällt. Die unterschiedlichen Fotopapiere zeigen unterschiedliche Eigenschaften bezüglich Kontrast, Details und Farbigkeit (tatsächlich sind manche Solargrafien trotz Schwarzweißpapier erstaunlich bunt, wobei nicht ganz klar ist, wodurch dieser Effekt bewirkt wird - wahrscheinlich spielen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen eine Rolle).

4. Verschließen, Versiegeln und ggf. Tarnen des Gehäuses

Immer noch unter der Dunkelkammerleuchte (oder bei gedimmtem Licht) wird die Filmdose nun mit ihrem Deckel verschlossen. Über das gebohrte Loch wird vorsichtig ein kleines Stück Isolierband geklebt, das als Verschluss fungiert. Dieser Verschluss verhindert, dass Licht in die Dose hineinfällt und die Belichtung schon startet, bevor es gewünscht wird. Für den Verschluss sollte lichtdichtes Isolierband verwendet werden, andernfalls klebt man mehrere Lagen Isolierband übereinander.
Solargrafie-Filmdosen
Die Dose wird nun komplett Licht- und Wasserdicht gemacht, indem sie mit mehreren Lagen schwarzem Isolierband beklebt wird. (Auch hier ist wieder darauf zu achten, dass das mit Isolierband verschlossene Loch nicht überklebt wird.)

Zur Tarnung im öffentlichen Raum kann die Dose anschließend angemalt werden (z.B. mit Revell-Farben) und ggf. zusätzlich mit Moos aus dem Modellbau-Zubehör oder anderen Materialien beklebt werden. Ideal ist es, wenn die Lochkamera mit dem Untergrund, auf dem sie befestigt ist, optisch mehr oder weniger verschmilzt.

5. Belichtung des Fotos

Die Lochkamera wird nun draußen am gewünschten Ort befestigt. Der Verschluss (das kleine Stück Isolierband vor dem Loch) wird entfernt. Die Belichtung beginnt!

Nach Ablauf der gewünschten Belichtungszeit klebt man den Verschluss wieder auf das Loch und die Kamera wird abgenommen.

6. Entwickeln des Fotos

Zuhause öffnet man die Kamera. Dazu muss die Dose, da sie ja mit mehreren Lagen Isolierband überklebt wurde, im Bereich des Deckels mit einem Messer aufgeschlitzt werden. Das Fotopapier kann nun entnommen werden. Achtung: Das Fotopapier ist immer noch lichtempfindlich und darf daher nicht zu lange der Helligkeit ausgesetzt werden. Die Entnahme des Papiers erfolgt am besten wieder unter der Dunkelkammerleuchte (oder bei gedimmtem Licht).

Sollte während der langen Belichtungszeit unter freiem Himmel Feuchtigkeit in die Dose geraten sein, kann das Fotopapier vorsichtig mit einem Fön getrocknet werden.

Das Fotopapier wird nun abgescannt oder abfotografiert. Ich habe mich für das Abfotografieren entschieden: Zum einen ist die Auflösung der Fotos höher als die von Scans, zum anderen lassen sich alle Vorteile des RAW-Formats nutzen.

Es ist darauf zu achten, dass das Abfotografieren möglichst schnell vonstatten geht, damit das Fotopapier nur kurz dem hellem Licht ausgesetzt wird. Dafür sollte vorab alles vorbereitet werden: Stativaufbau, Kamera positionieren und einstellen, Fokus setzen, Lichtquelle ausrichten etc. Der Raum sollte dann abgedunkelt werden. Wenn das Fotopapier an der vorgesehenen Stelle vor der Kameralinse platziert ist, wird das Licht für die Aufnahme eingeschaltet und es wird rasch fotografiert.
unbearbeitetes Negativ
unbearbeitetes Negativ
Eine folgende digitale Nachbearbeitung des Fotos mit z.B. Lightroom und/oder Photoshop ist essentiell. Das Motiv auf dem Fotopapier ist ja ein seitenverkehrtes Negativ, es muss also invertiert und gespiegelt. Außerdem sollten der Kontrast und die Klarheit angehoben werden, auch selektive Tonwertkorrekturen und Farbanpassungen können folgen.